PhotoCraft: Photoshop-Nachbau in Rust

PhotoCraft reimplementiert Adobe Photoshop in reinem Rust: quelloffen, offline und ohne eine Zeile Adobe-Code. Das Projekt ist eine Clean-Room-Reimplementation, die laut der Quelle ausschließlich auf öffentlichen Spezifikationen und beobachtetem Verhalten beruht. Schon jetzt öffnet und speichert der Editor 307 von 309 PSD-Dateien aus dem psd-tools-Testkorpus fehlerfrei, wie die Quelle auf github.com angibt.

Ich habe das Repository diese Woche zum ersten Mal gelesen und kurz mit dem Gedanken gespielt, mein Abo zu kündigen. Nur als Experiment, wohlgemerkt. Was dort liegt, klingt erstmal nach zu viel des Guten: Ebenen, Masken, Text, Vektoren, Pinsel und PSD-Bearbeitung, alles in einem nativen Offline-Editor.

Was heißt hier eigentlich Clean Room?

Clean Room heißt: Niemand hat Adobe-Code gelesen, kopiert oder übersetzt. Die Entwickler sind laut der Quelle nur von öffentlich dokumentierten Formaten und dem ausgegangen, was Photoshop nach außen sichtbar tut, also von beobachtetem Verhalten. Daraus entstand ein von Grund auf neu geschriebener Editor in Rust. Das ist der feine, aber wichtige Unterschied zwischen Nachbau und Diebstahl, und der Grund, warum dieses Projekt öffentlich existieren darf.

Wie gut ist die PSD-Kompatibilität in der Praxis?

Ordentlich, aber nicht makellos: Von 309 Dateien aus dem psd-tools-Testbestand lassen sich 307 öffnen und nach dem erneuten Speichern korrekt rendern, wie die Quelle angibt. Das sind rund 99,4 Prozent, laut Rechnung 307 geteilt durch 309. Welche zwei Dateien scheitern, verrät die Meldung nicht. Und wie sich komplexe Layer-Effekte jenseits dieses Korpus verhalten, bleibt offen.

Genau da sehe ich den Haken an der Euphorie. Ein Testkorpus ist kein Agenturalltag mit fünfzig Masken und einem Text-Layer von 2011. Ein starker Anfang, keine Frage, aber 307 Treffer in einem kontrollierten Satz sagen über die eigene PSD-Sammlung erst mal wenig.

Kurz beantwortet

Ist PhotoCraft eine Kopie von Adobes Code? Nein. Die Quelle beschreibt eine Clean-Room-Reimplementation, die nur auf öffentlichen Spezifikationen und beobachteten Verhaltensweisen basiert.

Läuft PhotoCraft in der Cloud? Nein, die Quelle beschreibt einen reinen Offline-Editor als natives Programm.

Ersetzt PhotoCraft Photoshop schon? Das sagt die Quelle nicht. Genannt werden Layer, Masken, Text, Vektoren, Pinsel und PSD-Unterstützung, aber kein Release-Stadium.

Ein Abo-Ersatz ist PhotoCraft damit noch nicht, ein verdammt interessanter Zweig im Git-Universum aber jetzt schon. Meine Interpretation: Die interessante Frage ist nicht, ob Rust hier technisch funktioniert, das zeigt die Zahl. Die Frage ist, was Adobe macht, wenn ein Clone ohne Abo, ohne Cloud und ohne Lizenzserver fast jede PSD-Testdatei sauber durch den Öffnen-Speichern-Zyklus bringt: Preise erhöhen, oder endlich das PSD-Format selbst öffnen?

Schreibe einen Kommentar