Software-Ingenieur Ben Stolovitz ist jetzt selbst Rettungssanitäter: 2024 hat er sich einen Monat freigenommen und den EMT-Schein gemacht, nachdem er die Idee seit dem College jahrelang vor sich hergeschoben hatte. Auf seinem Blog listet er die 21 Gründe gegen den Abschluss auf, grob nach Absurditätsgrad sortiert. Zeit, Kosten und die Kultur im Rettungsdienst waren dabei keine bequemen Ausreden, sondern echte Hürden.
- Der Kurs: NOLS Wilderness EMT, 28 Tage am Stück, wie der Autor schreibt. Die übliche Alternative wäre ein Semester Abendschule.
- Ermöglicht hat ihn laut Quelle der unbegrenzte Urlaub bei Microsoft, ein großzügiger Chef und Geld für den Flug nach Wyoming.
- Zur guten EMT-Praxis gehören richtige Einsätze auf dem Rettungswagen, deutlich mehr als das übliche Minimum von einem Wochenende im Monat.
Warum schiebt man so einen Plan Jahre vor sich her?
Weil zwei der Gründe schlicht stichhaltig waren. Der beschleunigte Kurs verschlang 28 Tage am Stück, und wer gut werden will, braucht regelmäßige Einsätze über das Minimum von einem Wochenende im Monat hinaus, wie die Quelle angibt. Dazu kam die Angst vor der Gruppenkultur. Die übrigen Punkte seiner Liste, 21 an der Zahl, ordnet Stolovitz selbst als mehr oder weniger albern ein.
Sympathisch finde ich, wie unverklärt das geschrieben ist. Kein Heldenvideo, nur eine Liste über Jahre aufgeschobener Vorsätze. Nicht jeder Aufschub ist Feigheit, manchmal fehlt einfach der eine Monat, der passende Chef, das Flugticket. Bei Stolovitz kam 2024 alles zusammen.
Ist die Kultur im Rettungsdienst wirklich so ein Problem?
Nach seiner Erfahrung: ja, ernst genug, um Jahre liegenzulassen. Stolovitz schildert eine schlimme Begegnung mit Einsatzkräften kurz nach dem College, die ihn zeitweise ganz aufgeben ließ. Er nennt viele ausgebrannte Leute im System und Dienste, deren Ton er milde als brüderlich-clubbig beschreibt. Und wehe, man ist eine Frau, sinngemäß sein Satz dazu.
So schwarz malt er dann aber doch nicht: Gerade Ehrenamtliche kämen aus allen Hintergründen, und gute Kulturen existierten durchaus, sein eigener Kurs gehöre manchmal dazu. Die Gegenrede liefert er gleich selbst, direkt neben dem Vorwurf. Das macht die Liste glaubwürdiger als jede Motivationsrede.
Kurz beantwortet
Wie lange dauerte der EMT-Kurs? 28 Tage am Stück beim NOLS Wilderness EMT, laut Quelle. Machbar war er für ihn erst durch unbegrenzten Urlaub bei Microsoft.
Welcher Grund wog am schwersten? Die Kultur: eine schlimme Erfahrung mit Einsatzkräften, viele ausgebrannte Leute, Dienste mit klubbigem Ton.
Reicht der Schein für gute Einsätze? Nein, schreibt Stolovitz. Es brauche echte Einsätze auf dem Rettungswagen, mehr als das übliche Minimum von einem Wochenende im Monat.
Alle 21 Gründe, absteigend nach Peinlichkeit sortiert, stehen im Original auf ben.stolovitz.com; hierzulande machte die Meldung erst ein koreanischer Tech-Aggregator sichtbar. Meine Interpretation: Die halbe Liste ist ehrliche Selbstüberprüfung, und genau deshalb funktioniert sie. Aber was würde mit den klubbigen Diensten passieren, wenn mehr Leute mit Monatsurlaub, Ingenieursgehalt und Lust auf Genauigkeit samstags im Rettungswagen säßen, bevor sie selbst ausbrennen?