Habt ihr diesen Moment, in dem einen die eigene Reaktion erschreckt – und zwar nicht, weil man einen Fehler macht, sondern weil man merkt, wie man denkt? Genau davon erzählt Sally Hall, Entwicklerin bei thoughtbot, in ihrem aktuellen Blogpost. Kleiner Tipp am Rand: Die Meldung dazu kursierte diese Woche, und der Titel – „Is AI ruining my brain?“ – ist dummerweise ein Ohrwurm. Ich hab ihn seit Tagen im Kopf.
Kontext, kurz: Hall beschreibt sich selbst als AI-Skeptikerin, sogar selbst ernannte „Haterin“ und Langsamadoptiererin. Ihre Beweggründe sind dreifach: Ethik-Bedenken, die Umweltbelastung von KI-Modellen und – das fand ich sympathisch – die schlichte Tatsache, dass sie gern Dinge selbst macht. Sie strickt ihre eigenen Socken, hat im Sommer eine Schaukel für ihre Veranda gebaut und backt jedes Thanksgiving Kuchen von Grund auf, inklusive Teig. Man merkt: Das ist eine Person, die die Arbeit am Handwerk genießt. Beim Programmieren ging es ihr genauso.
Deshalb hat sie KI lange aus ihrem Workflow rausgehalten. Aber dann kam ein Projekt dazu, bei dem das Team stark auf KI setzt – und die Domäne ist ziemlich komplex. Also hat sie sich auf Cursor verlassen. Und genau da passiert es, finde ich – die kleinen Verschiebungen im Alltag. Hall erzählt, wie sie, während sie auf Cursors Antwort wartete, weiterstrickte. Als sie ein falsches Muster in ihrer Stickerei entdeckte, war ihr erster Instinkt: erstmal die KI fragen. Nicht den Fehler selbst analysieren. Diese Erkenntnis hat sie selbst „getroffen“, wie sie schreibt.
Und genau das ist der Kern der Meldung: Nicht dass KI böse wäre, sondern dass sich unsere Problemlösungs-Gewohnheiten lautlos ändern. Das Problem ist nicht, dass ich keine Antwort kriege – es ist, dass ich den Reflex verliere, überhaupt selbst zu denken, bevor ich frage. Mal ehrlich, ich kenn das. Ich greife bei Dingen nach ChatGPT, wo ich früher einfach zehn Minuten länger gegrübelt hätte. Ob das eine schlechtere Entwicklerin aus mir macht? Keine Ahnung. Ehrlich gesagt weiß ich nicht mal, ob das messbar ist.
Was ich an dem Text mag: Hall wertet nicht moralisch. Sie stellt nur eine unbequeme Beobachtung in den Raum. Für mich ist das Anlass, wieder öfter mal eine Aufgabe ohne Tool zu beenden – einfach um den Muskel zu trainieren. Wer mitlesen will, findet die ganze Überlegung in der Original-Quelle bei thoughtbot.
Wer dem Reflex ein kleines Gegengewicht setzen will, ist bei einem lokalen LLM-Setup auf dem M4 Pro Mac mini gut aufgehoben: Da entscheidest du selbst, wie viel das Modell mitdenkt – nicht ein Anbieter. Für mich war das der bewussteste Schritt gegen den blinden KI-Griff.