Nach dem Hackerangriff auf seinen Hosting-Anbieter im September 2026 hat die AfD den Diebstahl interner E-Mails eingeräumt; der Angreifer stellte insgesamt 281 GB Daten ins Netz. Merkwürdig dabei: Die Partei erklärte, viele betroffene Mailboxen seien seit Jahren ungenutzt gewesen, das Archiv enthält aber laut der Quelle auch Nachrichten vom 12. September 2026.
- Veröffentlicht sind Hunderttausende interne Mails, wie die Quelle angibt.
- Die Leak-Seite Hexane.cc zeigt keine Originaltexte, sondern KI-generierte Zusammenfassungen, kategorisiert nach Themen wie Rassismus und Antisemitismus, bewertet von „niedrig“ bis „kritisch“.
- Das komplette Original mit Headern, Mailkörpern, Anhängen und DKIM-Signaturen gibt es dort per Torrent.
Ich hab beim ersten Lesen zweimal hingesehen. Leak-Seiten kennen wir als Schrottpresse mit Download-Ordner, aber hier sortiert zuerst eine Maschine das Material, vergibt Dringlichkeitsstufen und schickt Neugierige dann zum Torrent. Ein Datenleck mit redaktioneller Oberfläche, so etwas gab es auch noch nicht.
Wie sind die Hacker an die AfD-Mails gekommen?
Laut Berichten, die die Quelle wiedergibt, soll der Zugriff über eine Website gelaufen sein, die offenbar nicht gepatcht war. Unabhängig bestätigt ist das nicht, und das ist mehr als ein Detail am Rand: Ein so simples Einfallstor, das eine Partei Hunderttausende Mails kostet, wäre fast zu glatt für diese Geschichte. Ich wüsste gern, wer den Angriffsweg rekonstruiert hat, bevor „fehlendes Update“ als Erklärung durchgeht.
Dazu kommt die Frage, wie sorglos dort mit Infrastruktur umgegangen wurde. Die gemeldete Masche ist alt wie das Web, trotzdem erwischt sie regelmäßig Organisationen, die es sich am wenigsten leisten können. Die Lehre ist weniger spektakulär, als es klingt: Patches sind keine Formalie.
Sind die KI-Zusammenfassungen auf Hexane.cc vertrauenswürdig?
Nein, jedenfalls nicht ungeprüft. Die Quelle warnt ausdrücklich: KI-Systeme produzieren mit großer Selbstsicherheit mitunter große Fehler. Wer eine Zusammenfassung der Stufe „kritisch“ liest und daraus eine Nachricht baut, übernimmt eine Bewertung, die niemand geprüft hat. Nur das geladene Original samt DKIM-Signatur lässt sich von einem Menschen selbst nachvollziehen.
Bleibt die zweischneidige Seite des Modells. Für Recherche ist sortiertes, bewertetes Material bei Hunderttausenden Mails eine echte Arbeitserleichterung. Für die Glaubwürdigkeit jedes einzelnen Dokuments ist dasselbe Modell ein Risiko, weil die Vorauswahl eine Maschine trifft. Sortieren ist hier Chance und Filter in einem.
Der komplette Bericht von Graham Cluley vom 23. Oktober 2026, in dem die Partei das Leck dieser Woche selbst einräumte, steht auf bitdefender.com. Wenn beim nächsten Mal eine KI die Mails eines Bundestagsbüros vor uns liest und mit einer Risikostufe versieht: Übernehmen wir diese Bewertung bereitwillig als Wahrheit, oder wird „Original selbst geöffnet“ zum neuen Gütesiegel?