Missileer Watch auf 11175 kHz: Kurzwellen-Archiv für die Notfallmeldungen der US-Atomstreitkräfte

Das Projekt missileer.watch empfängt, zeichnet und transkribiert die Notfallmeldungen der US-Atomstreitkräfte per Kurzwelle auf der Frequenz 11175 kHz. Betrieben wird es laut der Quelle aus dem US-Bundesstaat Oregon, alle Zeitstempel laufen in UTC, und die Ergebnisse stehen unter der Lizenz CC0 1.0 gemeinfrei zur Verfügung.

Ich musste den Begriff EAM übrigens erst nachschlagen. Die Meldung liefert die Erklärung gleich mit: Es geht um verschlüsselte Notfallmeldungen des amerikanischen Atomwaffenkomplexes, empfangen über Kurzwelle. Diese Woche tauchte die Seite in den Newsaggregatoren auf, und ich war versucht, das nur schräg zu finden. Dann wurde mir klar, wie selten jemand so etwas systematisch mitschneidet.

  • Empfangen wird auf 11175 kHz im USB-Modus; die Seite führt den Kanal unter der Bezeichnung HFGCS, alle Zeiten in UTC (Zulu-Zeit).
  • Die EAMs sind verschlüsselt: Man kann die Sendungen hören und die Zeichen mitschreiben, entziffern kann sie Außenstehende nicht.
  • Aufnahmen und Transkripte sind als CC0 1.0 gemeinfrei; die Seite selbst lädt nur zwei öffentliche Dateien, archive.json und status.json.

Kann man die Notfallmeldungen der US-Atomstreitkräfte einfach mitlesen?

Mithören ja, verstehen nein. Die Quelle ist da eindeutig: Die EAMs sind verschlüsselt, Außenstehende können die Sendungen belauschen und Buchstabe für Buchstabe protokollieren, den Inhalt aber nicht decodieren. Live-Mithören und direkte Mitschriften unterstützt die Seite trotzdem.

Der Briefumschlag ohne den Brief also. Ob tatsächlich regelmäßig Meldungen eintreffen, verrät der Text nicht: Die angezeigten Beispielnachrichten sind ausdrücklich Testdaten und kein Live-Traffic, und die Anzeigetafel steht aktuell auf „warte auf Feed“. Die Seite braucht außerdem JavaScript, sonst bleibt der Feed leer. Ein Archiv im Wartestand, das auf seinen Ernstfall hoffentlich nie wartet.

Wer betreibt missileer.watch, und was passiert mit meinen Daten?

Hinter dem Projekt stehen laut der Quelle Daniel Frenkel und die Firma Valar Systems in Oregon. Die Seite setzt keine Tracking-Cookies, ein optionaler Login schreibt genau ein Cookie, und die Besuchsstatistik läuft über Cloudflare Web Analytics ohne Cookies. Details zur Löschung stehen auf einer eigenen Datenschutzseite.

Das ist ein ordentlicher Grund, das Projekt ernst zu nehmen: hier sammelt niemand Daten, um etwas zu verkaufen, sondern archiviert Mitgehörtes für die Nachwelt, unter gemeinfreier Lizenz. Schön finde ich das trotzdem nicht durchgehend. Ein öffentliches Protokoll nuklearer Signale dokumentiert Abschreckung, sie ist damit aber keine Sekunde sicherer. Ob das Archiv eines Tages als Warnung taugt oder als Kuriosität gilt, entscheidet ausschließlich der Inhalt der nächsten echten Aufnahme.

Die Originalquelle ist missileer.watch, erreichbar über hello@missileer.watch.

Meine Frage an dich: Würdest du dich nachts an ein Kurzwellenradio setzen und Zeichenketten notieren, deren Bedeutung dir für immer verschlossen bleibt, nur damit später nachvollziehbar ist, wann der Alarm anlief?

Schreibe einen Kommentar