In dem Repository auf github.com liegt die Verfassung Südkoreas als Text aus, den Besucherinnen und Besucher selbst abtippen sollen. Das Projekt ist nach eigener Beschreibung kein Coding-Projekt, sondern ein literarischer Zugriff auf die Verfassung. Diese Meldung ist diese Woche auf news.hada.io aufgefallen, und sie ist absichtlich langsam.
Die Autorin nennt die Verfassung das Gesetz über allen Gesetzen, zuständig für die großen Angelegenheiten des Staates und Grundlage aller anderen Regeln. Sie beeinflusse unser Leben mehr, als wir merken, heißt es in der Quelle. Und dann kommt der Satz über das KI-Zeitalter, in dem zunehmend weniger selbst gedacht wird. Ab da bricht der Text in meiner Kopie ab, den Rest kann ich nicht nachlesen.
Warum sollte man eine Verfassung abtippen?
Weil Lesen und Schreiben zwei verschiedene Geschwindigkeiten haben, legt die Quelle nahe. Wer einen Text abtippt, muss jede Zeile anschauen und kann nicht drübergleiten, der Zugriff dauert länger und geht dafür tiefer. Das Projekt beschreibt diesen Weg als drei Schritte: ansehen, fühlen, selbst tippen. Ein Lerntool ist das ausdrücklich nicht, es ist ein literarisches Projekt.
Was kann man damit konkret machen?
Die Quelle nennt drei Bewegungen: die Verfassung ansehen, auf sich wirken lassen und selbst abtippen. Eine Anleitung, eine Lizenz oder eine Zahl dazu liefert sie nicht, und genau das ist der Punkt. Ohne überprüfbare Größen bleibt der Wert dieses Projekts eine Behauptung, keine messbare Sache.
Die Idee ist schön, weil sie Entschleunigung vorschlägt, wo alle sonst Beschleunigung verkaufen. Sie ist auch dünn, weil die Begründung aus einem einzigen Gedanken besteht und der Satz dazu mitten abbricht. Meine Interpretation: Das ist ein guter Impuls mit einem halbfertigen Text dahinter.
Was würde passieren, wenn jemand dieses Muster auf den deutschen Gesetzestext überträgt, und welches Grundgesetz-Artikel würde als Erstes abgetippt in einem Repository landen?