Anthropic hat ein interaktives Szenario-Tool veröffentlicht, mit dem man durchrechnen kann, wie sich Arbeitsmarkt, Löhne und Wirtschaft in den USA 2030 entwickeln, je nachdem, wie leistungsfähig KI dann wird. Solange KI das Wachstum höchstens etwa doppelt so stark beschleunigt, bleibt laut der Meldung die Arbeitslosigkeit im historischen Rahmen, und die Löhne sind je nach Branche gleichbleibend oder steigen. Bei noch schnelleren Szenarien geraten vor allem Wissensarbeiter unter Druck.
Ich hab da erstmal gezappt und mich gefragt, ob das nur noch ein „KI verändert alles“-Tool ist. Aber dann hab ich mir das Modell genauer angeschaut: Es behandelt Berufe nicht als unförmige Brocken, sondern als Bündel von Aufgaben. Und das ist tatsächlich nah an der Realität. Niemand wird komplett ersetzt oder komplett ausgelassen, sondern einzelne Arbeitsschritte werden unterstützt, automatisiert oder ganz neu erfunden. Der Unterschied zwischen „Job weg“ und „Job anders“ steckt genau da drin.
Was passiert mit Löhnen und Jobs?
In den moderaten Szenarien, vom Status quo bis zu einer KI, die das Wachstum auf ungefähr das Doppelte der normalen Rate bringt, bleiben die Löhne je nach Branche stabil oder steigen. Das liest sich beruhigend. Die ehrliche Kehrseite kommt bei den radikaleren Szenarien: Kommt das Wirtschaftswachstum schneller voran als irgendetwas, das es bisher in der Geschichte gegeben hat, schlagen negative Effekte auf die Löhne und Jobaussichten von Wissensarbeitern durch. Also genau auf Leute wie mich, die den Tag am Bildschirm verbringen. Die Gesellschaft wird in diesem Fall laut Quelle deutlich reicher. Die offene Frage ist nur, wie breit die Gewinne dann verteilt werden.
Was ich am spannendsten finde, ist die eigene Steuerung: Man stellt selbst ein, wie gut man KI in einigen Jahren glaubt, und das Tool zeigt die daraus folgende Wirtschaft an. Das macht aus einer Analyse ein kleines Experiment. Die Basis ist der technische Bericht von Korinek und Kollegen (2026), auf den die Quelle verweist. Was ich ehrlich sagen muss: Die Meldung selbst nennt keine konkreten Prozentzahlen zu den Szenarien, und das Interaktive ist halt der Punkt. Mein Verdacht ist, dass die Ergebnisse ziemlich stark vom eigenen Einstellungswert abhängen. Wer optimistisch einstellt, sieht vermutlich eine rosige Zukunft. Ob das Modell recht hat, weiß man erst in ein paar Jahren.
Wer sich das selbst durchklicken will, findet den Explorer auf anthropic.com. Und die Frage, die ich mir am Ende gestellt habe: Was passiert 2030 mit dem Gehalt von uns allen, die den Tag noch am Rechner verbringen?