Was bleibt in einer Organisation, wenn der externe Experte den Raum verlässt? Genau diese Frage stellt diese Meldung von mun-jeong-min.github.io in den Mittelpunkt: Eine AX-Beraterin hat ein Interview mit Palantirs Forward Deployed Engineers gelesen und formulierte daraus einen konkreten Anspruch – nach dem Projekt sollen in der Kundenorganisation Menschen und Systeme zurückbleiben, die das nächste Problem selbst lösen können.
Mal ehrlich, der Gedanke hat mich gleich an unsere Retrospektiven erinnert, bei denen fast jedes Mal jemand sagt: „Dokumentiert das so, dass wir es nach eurer Abreise auch noch kaputtkriegen können.“ Nur dass die Quelle hier die Richtung umdreht: Es geht nicht darum, dass wir Doku hinterlassen, sondern dass die Organisation selbst an der Lösung wächst.
FDE oder SI – woran erkenne ich den Unterschied?
Laut der Meldung ist ein FDE, also ein Forward Deployed Engineer, jemand, der direkt beim Kunden einzieht, dort ein konkretes Problem löst und die Lösung so zurückführt, dass sie im Produkt weiterverwendbar wird. Man startet vom gewünschten Ergebnis des Kunden aus und baut erst das, was dazwischen fehlt. Was ich gut finde: Der Text gibt offen zu, dass die Autorin selbst nie vor Ort als FDE gearbeitet hat und das Geschriebene eine Reflexion über gelesene Konzepte ist, kein Feldbericht. Das macht sie ehrlich.
Die Beobachtung dahinter ist trotzdem schlagkräftig. Palantirs FDEs wurden über lange Zeit mit der Frage konfrontiert, worin sich ihre Arbeit von klassischem Outsourcing unterscheide. Die Antwort war kein neues Buzzword, sondern eine Haltung: Was im Feld gelöst wird, wird zurück ins Produkt getragen. Die Autorin merkt an, dass sich das erstmal wie normales System-Integrations-Geschäft liest – der Unterschied liegt genau in diesem Kreislauf: einmal gelöst, beim zweiten und dritten Mal wiederverwendbar.
Und hier kippt es in mein Terrain. Wenn AX bedeutet, mit KI die Arbeitsweise einer Organisation zu verändern, wird so ein Feld-Modell laut der Quelle wichtiger. Und ihr Ziel ist bewusst klein: keine Transformation im Großformat, sondern dass zum Beispiel die zuständige Person lernt, eine wiederkehrende Routine selbst mit KI abzuwickeln und die Ergebnisse zu prüfen. Das klingt unspektakulär. Ich finde es deshalb der ehrlichere Maßstab als jede Roadmap.
Ob sich das eins zu eins auf unsere Beratungsprojekte übertragen lässt, weiß ich nicht – die Meldung liefert keine Zahlen, keine Kundenstory, keine Metrik, an der man „Fähigkeiten danach“ messen könnte. Das bleibt die Schwachstelle. Aber die Frage, mit der sie letztlich hängen bleibt: Wie viel Können ist in der Organisation übrig, wenn wir gehen? Die würde ich gern in unsere nächste Retrospektive schreiben.
3 Kommentare zu „Was bleibt, wenn die Beratung fertig ist?“