Ich hab da erstmal kurz überlegt, ob ich überhaupt was dazu sagen soll, aber dieses „Burning Man hat seine Seele verloren“ ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Nicht, weil ich da je war – ich bin eher der Typ „Zelt statt Glitzer und Staub überall, nein danke“. Aber wenn einer der drei Gründer selbst sagt, dass aus dem Festival was Kommerzielles geworden ist, höre ich hin.
Die Rede ist von John Law. Er hat sfstandard.com einen längeren Text geschrieben, in dem er ziemlich offen damit abrechnet. Sein Punkt: Früher war Burning Man eine Art anarchistisches Kollaborationsprojekt – ohne Eigentümer, ohne Dirigenten, ohne offizielle Ideologie. Die Teilnehmenden haben das Ding einfach selbst gemacht. Heute, sagt er, sei daraus ein kommerzielles Festival geworden, bei dem sich Wohlhabende eine fertig gebaute Erfahrung kaufen. Ein „commercialized escape hatch for the wealthy“, nennt er es. Ich musste kurz schlucken, ehrlich gesagt, weil man das Wort „Escape Hatch“ so leicht runterliest.
Seine eigene Geschichte macht das Ganze irgendwie traurig. Er beschreibt, dass ihm das Festival nicht loslässt – dauernd melden sich Journalist:innen, Dokumentar-Teams, Podcaster und Verlage, die alle ein Buch über das Festival schreiben wollen, das er vor 36 Jahren mit aufgezogen hat. Und jetzt der Twist, der mich wirklich kurz lachen ließ, weil er so trocken erzählt wird: Obwohl er als Mitgründer gilt, war er seit 1996 nicht mehr in der Black Rock Desert. Nicht mal einen Fuß hineingesetzt. Er erfindet die Idee, die Leute lieben – und darf sie selbst nicht mehr anfassen.
Interessant fand ich auch den Hintergrund, den die Meldung mitschwingen lässt: Das frühe Burning Man entstand aus den spontanen Wüstenexpeditionen der Cacophony Society und der Desert Site Works. Also aus einer Szene, die bewusst improvisiert hat. Wie viel von diesem Geist heute noch da ist, ist halt die Frage. Die Quelle erzählt da ehrlich gesagt mehr von der Kritik als von einer Antwort, und das finde ich okay – ich erfinde hier auch keine Zahlen oder Umfragen, die nicht da stehen.
Mal ehrlich, ich hab da keine klare Meinung, ob so ein Festival überhaupt „anarchistisch im Original“ bleiben kann, wenn es wächst. Aber wenn einer von den Gründern sagt, es sei zur Fluchtburg der Reichen geworden, dann ist das zumindest ein Gespräch wert – aus meiner Perspektive als jemand, der Tech-Startups kennt und weiß, wie schnell aus „Community“ eine gut vermarktete Marke wird. Vielleicht ist Burning Man ja genau das geworden, was gegen die Tech-Welt wirken sollte. Nur ohne Seele.