Mal ehrlich, ich hab beim Lesen der Meldung auf news.hada.io erstmal zweimal blinzeln müssen. Dort beschreibt ein Team von SpaceXAI, wie sie ihren eigenen Dienst für sich selbst einsetzen – und im Grunde eine kleine Engineering-Organisation aufbauen, die nie wirklich Feierabend macht. Grok Bots, die auf eigenen Computern laufen, erledigen Aufgaben weiter, wenn die Menschen schlafen, weg sind oder in Meetings hängen.
Im Kern ist es ein End-to-End-Agenten-Workflow: Jeder Bot hat seine eigene Rolle, ein getrenntes „Gedächtnis“ und einen bewusst begrenzten Kontext. Sie erstellen Cursor-Cloud-Agents, schreiben die Prompts, überwachen den Fortschritt, prüfen Ergebnisse und geben Folgeschritte. Und die Zahlen, die die Meldung nennt, klingen fast zu schön, um wahr zu sein: In einem Monat mehr als 2.000 Pull Requests – allein @poteto soll die eingereicht haben. Eine Person, die vorher etwa 15 Cloud-Agents gleichzeitig managte, soll jetzt auf 200+ gekommen sein. Gut, bei mir wäre da längst der Laptop in Flammen aufgegangen.
Was mir persönlich gut gefällt: der 30-Minuten-Rhythmus über Notion, bei dem geprüfte, risikoarme PRs automatisch gemerged werden, und der Betriebs-Bot Jenny, der tägliche Meetings, Onboarding, Post-Mortems und Playbook-Updates übernimmt. Ich hätte Jenny manchmal ganz gerne gehabt, wenn man um 17 Uhr noch Schnittstellen-Specs hinterherjagt.
Auch funktional ist es durchdacht. Fünf Engineering-Bots mit klarer Zuständigkeit – vom iOS- und Mobile-Common-Layer über den Desktop-Client und CI/CD bis zu Infrastruktur, Android und der eigentlichen „Harness“. Sie dürfen zwar in fremden Revieren mithelfen, halten sich aber bewusst an ihr Fachgebiet, weil das die Specs und Design-Prinzipien schärfer hält. Dazu kommen Skills wie /lingxi-review für Architektur-Entscheidungen oder /lingxi-product für subjektive Produktfragen. Sogar auf privaten Mac-minis zu Hause sollen die Cloud-Agents laufen können.
Fairnesshalber: Was in der Meldung nicht steht, ist das „Wie genau“ – wie sie Qualität über 2.000 PRs hinweg halten oder was schiefging, als ein Bot etwas falsch interpretierte. Die Quelle klingt jedenfalls sehr optimistisch. Mich überzeugt eher der eine Satz: Automatisierung müsse zur eigenen Sicherheits-Berechtigung und zur möglichen Auswirkung passen. Das klingt nach gesundem Realismus zwischen allen P0-Notfall-Prozeduren und nächtlichen Audits. Vielleicht ist das ja die eigentliche Lektion – nicht endlos zu automatisieren, sondern genau so viel, wie man auch verantworten kann.