Conversations verlässt Google Play: Daniel Gultsch verteilt seinen freien, föderierten Messenger für Android ab sofort kostenlos, um die wirtschaftliche Abhängigkeit vom Play Store zu kappen. Die Gründe für die Trennung, wie er auf gultsch.de ausführt: wiederholt abgelehnte Updates, eine Löschung der App und ein Support, über den sich kaum ein echter Mensch erreichen lässt.
- Die Entwicklung startete im Januar 2014 im Studentenwohnheim; wenige Wochen später nutzte Gultsch die App laut Quelle selbst als seinen wichtigsten Messenger.
- Öffentlicher Release war der 24. März 2014, also exakt zwölfeinhalb Jahre vor der Meldung vom 24. September, wie die Quelle nachrechnet.
- Seit März 2014 bestritt der Autor seinen Lebensunterhalt überwiegend aus Conversations und verwandten Tätigkeiten, was die Quelle ausdrücklich bestätigt.
Ich hab bei dieser Zahl kurz geschluckt: ein Projekt aus dem Wohnheim, das zwölfeinhalb Jahre lang das Leben seines Autors finanziert hat, kappt freiwillig die wichtigste Geldbrücke. Beim Lesen wird klar, warum: Eine Messenger-App ohne zeitnahe Sicherheits-Updates ist kein Kavaliersdelikt, und genau die stecken laut Quelle in den Prüfungsverzögerungen fest wie alles andere.
Warum ist Conversations jetzt kostenlos?
Weil kostenlose Verteilung den Prüfungsprozess von Google Play aushebelt: Ohne Kauf-App im Store hängen weder Updates noch das Überleben des Projekts an den Entscheidungen des Stores. Die Quelle nennt als Brennpunkte abgelehnte Updates, eine App-Löschung, Support ohne echten Personenkontakt und eben diese Verzögerungen bei Sicherheits-Updates. Kostenlos bedeutet hier also nicht „unwirtschaftlich“, sondern: raus aus der Abhängigkeit.
Wovon hat Conversations all die Jahre gelebt?
Laut Quelle war Conversations seit März 2014 die Haupteinkommensquelle des Entwicklers. Das ursprüngliche Modell von 2014: Quellcode offen, die fertige kompilierte App kostenpflichtig. Am Anfang ließen sich Firmen Anpassungen bezahlen, manche landeten im Hauptzweig, andere waren dafür zu speziell. Dazu kamen Server-Aufbau und Beratung zu Messenger- und Sicherheitsthemen, später rückten Zuschüsse und Fördergelder immer stärker in den Vordergrund.
Die Meldung hat für mich zwei Seiten. Kostenlos verteilte Software nimmt dem Store die Macht über sicherheitskritische Updates, und das ist ein echter Gewinn. Offen bleibt dagegen, wie die Einnahmeseite ohne Play-Umsätze konkret weiterläuft. Fördergelder nennt die Quelle als wachsenden Posten, und die sind selten eine Garantie.
Kurz beantwortet
- Warum war Conversations überhaupt kostenpflichtig? Weil der Quellcode frei blieb, aber das Kompilieren Arbeit macht: Bezahlt wurde die fertige App, ein Modell, das die Quelle für 2014 als ungewöhnlich beschreibt.
- Betrafen die Store-Probleme auch Sicherheits-Updates? Ja, laut Quelle kamen selbst Sicherheits-Updates an den Prüfungsverzögerungen nicht vorbei.
Meine Interpretation: Der eigentliche Test startet jetzt erst, denn ohne die Bühne des Play Stores neue Nutzer zu finden, ist für eine App, die zwölfeinhalb Jahre lang genau über diese Bühne lief, ein völlig anderes Spiel.